Lauras Blog

Ziele verfolgen

14.08.2017

Noch vier Wochen. Dann beginnt für mehr als 260.000 Studenten in den Niederlanden wieder der Ernst des Lebens. Auch für mich, jedoch mit einem kleinen Unterschied …

Ziele verfolgen

Hoi,

ich werde ab September nämlich für genau ein Jahr nicht zur Uni gehen. Offiziell schon, aber in meinem Studiengang sind ein Praktikum und ein Minor (eine individuelle Spezialisierungsmöglichkeit) vorhergesehen und daher Pflicht. Mein drittes Studienjahr wird also etwas anders ausfallen als die letzten zwei Jahre. Grund zur Beunruhigung? Ganz im Gegenteil. Die letzten zwei Jahre meines Studiums habe ich als teilweise sehr stressvoll empfunden. Alle zehn Wochen stehen Prüfungen an und Deadlines müssen eingehalten werden. Eine wirkliche Verschnaufpause haben mir nur die Sommerferien geboten. Ich stand ständig unter Strom und war gefühlt permanentem Druck ausgesetzt. Ich hatte das Gefühl mein Studentenleben gar nicht in vollen Zügen genießen zu können, weil mir eine leise Stimme immer und immer wieder sagte: Eigentlich könntest du jetzt auch etwas für die Uni tun. Netflix war oft eine gelungene Abwechslung. Procrastination at its finest. Wer kennt’s nicht? Ein schlechtes Gewissen war das, womit ich morgens aufwachte. Zum Schluss ein echter Motivationskiller. Ich dachte: Will ich das unter diesen Umständen noch?
Jetzt aber habe ich seit vier Wochen Ferien und konnte endlich mal wieder abschalten und über mein Studium und meine Zukunft nachdenken. Das hatte ich bitter nötig. Und ich freue mich tierisch auf die nächsten zwei Jahre, denn mein Studium ist immer noch das, was mich echt glücklich macht und bei dem ich noch immer weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ab September werde ich dann für ein Jahr arbeiten. Ich habe mich nämlich gegen den Minor entschieden und für ein zweites Praktikum. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, weil ich schon immer gern ein Auslandssemester machen wollte. Ich habe viel darüber nachgedacht und mir irgendwann die Frage gestellt, wo ich mich in zehn Jahren sehe. Ganz genau kann man das nie sagen. Das wäre auch seltsam, weil das Leben sowieso immer Überraschungen birgt und alle noch so tollen Pläne über den Haufen geworfen werden können. Ich möchte darum so gut wie möglich vorbereitet sein und werde mein erstes Praktikum bei einer Zeitung in Enschede absolvieren und mein zweites Praktikum mache ich in Köln bei einer TV-Produktionsfirma, die sich auf Dokumentationen spezialisiert haben. Beides kann ich mir für meinen späteren Beruf sehr gut vorstellen. Also nutze ich das Jahr und orientiere mich. Denn in zwei Jahren muss auch ich hinaus ins Arbeitsleben. Darauf wäre ich schon ganz gerne vorbereitet. Da kann das Leben noch so viele Überraschungen mit sich bringen! Die Erfahrungen, die ich im nächsten Jahr mache, kann mir keiner nehmen.
Ich bin mir aber auch im Klaren, dass nicht jeder so einen klaren Plan von seiner Zukunft hat. Das sehe ich immer wieder bei meinen Kommilitonen. Ich habe oft das Gefühl, dass viele ins Blaue hinein studieren, nur um zu studieren. Die wenigsten, mit denen ich spreche, setzen sich klare Ziele und können die Frage, wo sie sich in zehn Jahren sehen, nur selten konkret beantworten. Das finde ich sehr schade, denn ein Studium sollte genau das sein, was einem Spaß macht und womit man später mit viel Freude sein Geld verdienen möchte. Denn was gibt es etwas Schlimmeres als einen Job, der nicht glücklich macht?

Ein Studium kann immer abgebrochen werden. Sei es aus persönlichen Gründen oder weil man die Klausuren nicht packt. Das kann immer passieren. Dennoch sollte man sich vor Beginn des Studiums während eines ruhigen Moments fragen, wo man eigentlich hin will und welche Ziele man hat. Ist es eine bestimmte Firma, eine Stadt, ein Beruf, den man schon immer ausüben wollte? Vielleicht ist ein Studium dann gar nicht das Richtige.
Nehmt euch Zeit, aber probiert euch auch aus. Wenn man so jung ist wie wir, kann man gar nicht alles auf Anhieb richtig machen und man sollte so viel wie möglich ausprobieren. Denn wie Poetry-Slammerin Julia Engelmann sagt: „Das Leben, das wir führen wollen, können wir später selber wählen. Also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen!“

Ich für meinen Teil genieße jetzt aber noch die letzten vier Wochen, feiere meinen Geburtstag und lege die Füße hoch. Macht’s gut und habt einen tollen Start in eurer Studium oder ins nächste Studienjahr!

Groetjes en tot de volgende keer,

Laura