Lauras Blog

Tipps für eine gelungene Zimmersuche

30.05.2017

Die Zimmersuche in Studentenstädten … ein leidiges Thema. Für die unter euch, die schon etwas länger in Enschede wohnen ist das, was ich euch jetzt erzähle vielleicht gar nichts Neues mehr. Aber für euch Frischlinge, ihr Erstis und i-Dötzchen: Meine Tipps für eine gelungene Zimmersuche.

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Tipp Nummer 1

Lasst euch von nichts und niemandem einschüchtern! Manchmal kommt die Zimmersuche einem Bewerbungsgespräch gleich. Welche Hobbys hat man, was studiert man, wieso studiert man es und wo möchte man später mit diesem Studium hin. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ein neuer Buchhalter oder eventuell doch nur ein neuer Mitbewohner gesucht wird. Mit 19 konnte ich das noch nicht so ganz einordnen.

Tipp Nummer 2

Fangt früh genug an! Wer zuerst kommt, malt zuerst. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz in Studentenstädten. Das Beste ist meist Ende Juli weg. Wer später anfängt, muss sich mit dem zufriedengeben was noch da ist. In den sauren Apfel musste ich vor zwei Jahren auch beißen. Mit meiner Mama bin ich damals nach Enschede gefahren. Es war Ende Juli und brüllend warm. Ich hatte mich schick gemacht. Schließlich hatte ich mich für die Stelle als neuer Buchhalter beworben, ihr wisst das.

Ich klingelte an, ein Mädchen machte mir die Tür auf. Ich hielt ihr die Hand hin, sie umarmte mich. Fettnäpfchen. Ich betrat den dunklen Flur und mir schlug ein leicht modriger Geruch entgegen. „Kann ja noch schön werden“, versuchte ich mir einzureden. Sie fing an mir auf Niederländisch zu erklären, was sie machte und, dass ich die erste Bewerberin wäre. „Wundert mich nicht, so wie es hier aussieht“, dachte ich weiter. Damals war mein Niederländisch noch nicht gut und es kostete mich wirklich Mühe dem Gespräch zu folgen und Antworten zu geben, die nicht völlig Banane klangen.

Wir setzten uns in ihr „Wohnzimmer“. Eigentlich nur ein alter Holztisch im Schlafzimmer des anderen Mädchens, das auch noch im Haus wohnte. Sie baten mir ein Glas Wasser an, ich setze mich auf den quietschenden Schreibtischstuhl. Das Bewerbungsgespräch hatte begonnen. Ich war überrascht, wie gut mein Niederländisch doch war und ich kam richtig in Fahrt. Schon nach 10 Minuten gab es jedoch keine Gesprächsthemen mehr, was mir etwas unangenehm war. Also fragte ich, ob ich den Rest Hauses sehen könnte.

Durch die sporadisch eingerichtete und sehr alte Küche kamen wir ins Bad. Vielleicht sollte ich es eher Nasszelle nennen. Kennt ihr die Gefängnisdokus im Fernsehen, in denen sich ein Reporter freiwillig für eine Woche in einem entlegenen Gefängnis am Ende der Welt einschließen lässt und seine Gefühle und Gedanken niederschreibt? Ungefähr so fühlte ich mich. Ich wartete schon auf den Reporter, dem ich sagen konnte, wie schrecklich menschenunwürdig dieses Gefängnis sei und kein Verbrechen der Welt so schlimm sein konnte, dass man hier duschen musste. Ja, ich war geschockt, verpackte das aber scheinbar so gut, dass ich eine Woche später eine Nachricht bekam: Welkom! Du darfst bei uns einziehen. Ihr könnt euch denken, was passiert ist? Nicht? Tja, ich zog wirklich ins Gefängnis. Mir gefiel mein neues Zimmer erstaunlicherweise nämlich echt gut! Zwei Wochen später, kurz vor meinem Einzug, bekam ich noch eine Nachricht: „Wir haben dir noch ganz vergessen etwas zu sagen. Bei uns im vierten Zimmer wohnt ein Dozent. Er ist ungefähr 50 und nur drei Mal die Woche da. Wir sehen ihn nicht oft und wissen auch gar nicht, wie er heißt. Wir hoffen das stört dich nicht.“ Okay? Ich dachte, Gefängnisse wären immer nach Geschlechtern getrennt, aber gut. Ich war offen für Neues und wollte es ausprobieren.

Manche Niederländer haben von Sauberkeit manchmal ein anderes Verständnis als wir, fühlen sich aber trotzdem pudelwohl, wenn sie die richtigen Menschen um sich haben. Die Erfahrung habe ich in dem Jahr auch gemacht. Ich habe zwei wunderbare Freundinnen dazugewonnen und die niederländische Kultur sehr gut kennengelernt. Ich hatte also großes Glück im Unglück. Trotzdem kann ich euch mit auf den Weg geben kritisch zu sein, stellt Fragen, und wenn euer Bauchgefühl euch sagt, dass ihr dort auf keinen Fall einziehen wollt, dann müsst ihr halt weitersuchen. Mein Bauchgefühl sagte mir damals, dass ich dort einziehen sollte (auch, weil ich zu spät dran war) und ich habe es getan. War gar nicht so schlecht.

Tipp Nummer 3

Kommt allein! Nichts turnt zukünftige WG-Mitglieder mehr ab, als dass man mit seiner Mama oder gar mit seiner ganzen Familie auftaucht. Das wirkt unselbstständig und lächerlich. Immerhin wollt ihr ab jetzt selbstständig leben und nicht etwa mit eurer Mutti gemeinsam in die WG ziehen. Ihr könnt so viele Fotos und Notizen machen wie ihr wollt, die ihr dann später all euren Familienmitgliedern zeigen könnt.

Tipp Nummer 4

Lasst euch nicht übers Ohr hauen! Fragt lieber zwei Mal nach wie hoch die Nebenkosten sind, bevor ihr bei der Ersten Monatsmiete die Klatsche bekommt. Fragt nach einem Putzplan. Niemand möchte in einer dreckigen WG leben. Vielleicht ist euch Zusammenhalt in einer WG wichtig. Dann fragt nach gemeinsamen WG-Abenden. Ihr habt das Recht dazu, denn nur so könnt ihr erfahren, ob euch die Leute gefallen. Schließlich müsst ihr mit ihnen unter einem Dach wohnen. Für eine Zeit wird das für euch zu einer kleinen zweiten Familie. Da sollte schon alles so gut wie möglich passen. Und wenn es das doch nicht tut, dann zieht ihr eben nach einem Jahr oder früher wieder aus. So habe ich das auch gemacht. Es findet sich immer eine Lösung.

Ich wünsche euch viel Glück!

P. S. Ihr seht hier ein paar Bilder von meinem Haus, in dem ich jetzt wohne! Außerdem findet ihr noch Links zu Websites, auf denen ihr Wohnungen und Zimmer finden könnt.

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